NSA an die Macht!

Oktober 1, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Bugging System

Amerika, was ist nur los mit Dir? Deine Abgeordneten reden im Parlament über Spinat. Breaking Bad ist vorbei. Und deine Regierung macht einfach ganz dicht.

Höchste Zeit für eine Revolution!

Also ab auf die Straße, John Doe. Reiß die Wände deines Cubicle-Büros ein. Mal das weiße Haus rosa an. Tunk die Teaparty in Kakao. Teere und federe Texas. Nie war die Chance so günstig, das Land zu erneuern.  Ich hätte da schon ein paar Ideen für Dich:

1. Die Regierung bleibt geschlossen, das Amt des Präsidenten wird abgeschafft. Obama bekommt Hausarrest auf Hawaii, jeder Republikaner erhält zwei Barrel Öl, Demokraten Gutscheine für Abtreibungen als Wiedergutmachung.

2. Die NSA übernimmt die Staatsgeschäfte. General Keith Alexander wird Staatsoberhaupt mit den Titeln „Alexander the Great“ und „Chief Executive Kick Communist Ass Cyber Command Clanleader“. Der Amtssitz wird vom Oval Office in das Information Dominance Center verlegt, das praktischerweise bereits aussieht wie die Brücke von Raumschiff Enterprise. Regierungsbeamte erhalten Uniformen der Sternenflotte, dem romulanischen Reich wird der Krieg erklärt. Um international Spannungen abzubauen, hält die neue Regierung eine LAN-Party mit China, Russland und Syrien ab („Command & Conquer“, „Guitar Hero“). Bei Counter Strike müssen die Syrer immer die Terroristen nehmen.

3. Ministerien werden ersetzt. Deren Aufgaben übernehmen Google (Äußeres und Information), Amazon (Handel), Facebook (Soziales) und Apple (Religion). McDonalds und Burgerking teilen sich das Gesundheitsministerium (an jedem geraden Tag gehen die Bürger zu McD, an jedem ungeraden zu Burgerking. Sonntag: beides).

4. Die Demokratie wird umgebaut. Stimmberechtigt sind künftig nur noch Aktionäre oben genannter Firmen, NSA-Angestellte und deren Geliebte.

5. Niemand muss mehr Steuern zahlen. Jedem Bürger wird eine Google Glass Brille zwangsimplantiert, um orts-, personen-, und gedankenbezogene Werbung zu schalten. Mit den Einnahmen baut Alexander einen Todesstern, um sich vor falsch denkenden Schriftstellern zu verteidigen.

6. E-Mails zu verschlüsseln wird als Kriegsgrund gewertet.

7. Das neue Programm „FUTR“ wird aufgelegt. In dieser Datenbank gespeichert sind sämtliche Websites, Anrufe, Kontakte, mündliche Äußerungen, Schulnoten, Einkaufszettel, Kreditkartennummern, Sexpartner, Filme, Musikstücke etc, die jeder Weltbürger im Laufe seines Lebens aufgerufen, getätigt, konsumiert, etc hat. Mit den Daten wird eine Simulation des Gehirns der Zielpersonen erzeugt, um zu berechnen, was die Person morgen tun, sagen und kaufen wird. Die vorhergesagten Äußerungen und Handlungen werden der Person und ausgewählten Werbepartnern an jedem Abend als Handlungsanweisung zugestellt. Ziel ist eine Erhöhung der Sicherheit.

8. Die gesamte Kommunikation der Welt wird überwacht.

Ok, Stopp. Der letzte Punkt wäre ja wohl wirklich total verrückt.

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Der neue Trend ab heute Abend: „Private Viewing“

Juni 23, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Warum Public Viewing gegen die Natur ist

Der große polnische Autor Stanisław Lem erzählte die Geschichte von den Uranohren. Sie handelt von Wesen, die auf einem Planeten leben, der von großen Uranvorkommen bedeckt ist. Über diese Wesen herrschte ein grausamer König, dessen größte Furcht eine Rebellion war. Daher verpasste er jedem seiner Untertanen zwei Ohrschützer aus Uran – die Uranohren. Kamen nun mehr als zwei Einwohner zusammen, etwa um einen Aufstand auszuhecken, so flog sogleich die ganze Verschwörung in die Luft. Denn das viele Uran auf einem Fleck löste automatisch eine Kettenreaktion und eine Explosion aus. Fortan waren die Einwohner gezwungen, einen möglichst großen Bogen um einander zu machen.

Wer nun einmal am Samstagnachmittag durch die Fußgängerzone Münchens läuft, und sich dabei durch tausende Teenager und Touristen hindurchzwängt, wünscht sich unwillkürlich solche Uranohren für jeden.

Doch was tut der Mensch? Er wünscht stattdessen eine noch größere Aufkonzentration seiner Spezies, er strebt noch enger zusammen, wo es eh schon eng wird. Diesen Trend kann man dieser Tage beobachten: Wo immer auf einem großen Bildschirm schwitzende Männer zu sehen sind, die eine runde Kugel treten, dazu Bier ausgeschenkt wird und jemand Brezen verteilt, strömen wie durch ein Naturgesetz immer mehr Menschen herbei. Sie nennen dies „Public Viewing“.

 „Jooogi!!“

Nun streben Systeme in der Natur gewöhnlich nach Ausgleich. Wer einen Zuckerwürfel in ein Glas warmes Wasser wirft, kann beobachten, wie sich dieser so schnell und so gleichmäßig verteilt, wie nur irgend möglich. Nie würde es einem Zuckermolekül einfallen, möglichst nah zum Nachbarn zu rücken. Dies wäre ein sozialer Affront im Reich des Kleinen.

Nicht so bei uns Großen, wo das in der Praxis dann so abläuft: Man verabredet sich eine halbe Stunde vor dem Anstoß bei dem großen Bildschirm. Man erreicht diesen Ort aber aufgrund von ominösen Kräften stets erst eine halbe Stunde nach dem Anstoß, alle Plätze sind belegt, die Freunde unauffindbar und der große Mann vor einem versperrt das Blickfeld. Das Bier ist teuer, und neben einem grölt jemand abwechselnd „Pfui Griechen, wir kaufen euch alle auf“ oder „JOOOOOOGI!!“ – purer Stress für jeden Organismus.

Deshalb werde ich heute Abend ein Zeichen setzen: Ich werde mich allein in meinen Lehnstuhl auf meinem Balkon setzen, mein kühles Studentenbier in der Hand, und eine perfekte Sicht auf meinen Bildschirm mitsamt den Bälletretern haben. Und ich werde mich dabei fühlen, wie ein Zuckerstückchen im Wasser. Ich nenne dies „Private Viewing“. Wer kommen mag, ist natürlich trotzdem herzlich eingeladen. 😉

Stilkritik: die Schlafsackhülle (schon allein das Wort!)

August 28, 2011 § Ein Kommentar

Die Schlafsackhülle ist wohl einer der ärgerlichsten Gegenstände unserer Zeit.

Das zeigt sich, wenn man auf einer fremden Couch aufwacht, überrascht weil um einen herum viele Menschen tief schlafen. Langsam sickert die Erinnerung durch den verkaterten Geist, man war auf einer Party und hatte vereinbart, früh aufzubrechen. Still kramt man sein Zeug zusammen, rafft dankbar den wärmenden Schlafsack vom fremden Bett, doch oh je, seine Hülle fehlt. Nirgends ist sie, nicht unter Kissen und Matten, nicht im Rucksack. Es hilft auch wenig, dass die eigene Freundin – sieht sie auch hervorragend aus schon zu dieser frühen Uhrzeit – im Zimmer herumsucht und die anderen Schläfer langsam nervös macht, die Hülle bleibt verschollen. Sozial unakzeptabel wäre es laut zu schreien: „Wo ist meine Schlafsackhülle?“ Nein, man findet sich damit ab und verlässt die Szenerie.

Doch mit dem Verlust beginnt ja erst der Ärger mit der Schlafsackhülle. Man erinnert sich dunkel an Ferienlager, in denen man verzweifelt versuchte, den Schlafsack in die Hülle, damals noch vorhanden, zu quetschen, und sich schon damals über diese altmodische Hüllen-Technologie ärgerte. Fehlt sie, ist es sogar noch schlimmer: Wieder zurück in der eigenen Stadt auf dem Fahrrad, quillt der hüllenlose Schlafsack aus dem Rucksack, in den man ihn notdürftig hineingequetscht hat. Man muss die Blicke und Gedanken der Passanten ertragen. Schlafsackhüllenverschmeißer. Turnbeutelvergesser. Zu Hause dann weitere Fragen: Wohin mit dem hüllenlosen Schlafsack? Existiert vielleicht ein Portal für verlorene Schlafsackhüllen im Internet?

Schon allein, dass uns nicht einmal ein anständiges Wort einfällt – „Schlafsackhülle“, also bitte – beweist unsere Verachtung für diesen Gegenstand. „Pelle“ geht vielleicht noch, aber das klingt auch eher nach Wurst. Ach, nähme sich die Hülle doch ein Beispiel an unserer eigenen Haut – vorbildlich trennt diese Inneres von Äußerem, lässt uns warmes, kaltes, windiges und schmerzhaftes spüren – und das wichtigste: Sie kann nicht verloren gehen.

Alles Dinge, von denen die Schlafsackhülle nur träumen kann.

In der Vorhölle mit den Mumuselmamanen

April 16, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich ahnte schon, dass es gleich Ärger geben würde, als sich der Mann mit dem schütteren Haar – nennen wir ihn Bernd – in der S-Bahn neben mich setzte, wobei er seinen Rucksack behutsam gegenüber abstellte. Ich war sehr müde, es war ja auch Nacht. Ein Mann mit Bier stieg ein, Bernd nahm den Rucksack wieder weg. „Haben Sie hier freigehalten?“ fragte der Zugestiegene etwas angeheitert. „Ja, extra für Sie“, sagte Bernd. Es klang plötzlich wie eine Warnung.

Ob wir gehört hätten, was in Mönchengladbach schon wieder los sei, fragte er. „Jetzt beten die schon auf offener Straße – die Mu-muselma-manen.“ Bernd stotterte. Ich merkte an, dass in Deutschland doch Religionsfreiheit herrsche. „Ja, und die nutzen das aus!“ – „Zum Beten?“ – „Ja, genau!“ – „Heimtückisch.“ Ob wir uns im klaren seien, wie die denn ticken. Wie denn? „Na, seien Sie mal die einzige christliche Familie in so einem pakistanischen Dorf. Da dürfen Sie ja sofort getötet und ausgeraubt werden. Steht im Koran.“ Die Mumuselmamanen wollten uns auch hier bald an den Kragen, da sei Bernd sich sicher. Das glaube ihm zwar niemand, aber vor dem Dreißigjährigen Krieg habe ja auch keiner geglaubt, dass Katholiken und Protestanten sich gleich abschlachten würden. „Na, wenn Sie Bundeskanzler werden, passiert das vielleicht wieder“ sagte der Mann mit Bier. Das gehe nicht, er habe ja keine Partei. „Na dann gründen Sie doch eine.“ Von der Intelligenz her sei das gut möglich, sagte Bernd.

Zum Glück war meine Station gekommen.

Aus! Böse, böse Entropie!

November 9, 2010 § 3 Kommentare

Klirr! machte das Glas und zersprang in tausend Splitter. Das Bier rann in alle Richtungen davon und ich wollte schon leise fluchen, doch das Universum entschied sich anders. Erstaunt beobachtete ich, wie die Brühe zum Stillstand kam und zurückfloss. Die Splitter rafften sich ordentlich zusammen wie eine kleine Armee, halfen sich gegenseitig beim Aufstehen und fanden ihren alten Platz um das Bier herum. Als letztes hüpfte das heile Glas fast entschuldigend auf den Tisch zurück.

Ich trank einen tiefen Schluck auf mein Glück. Seit dem Urknall war so etwas nicht passiert, obwohl es jederzeit möglich gewesen war. Energetisch wäre es kein Problem, dass Glassplitter von selbst zu Biergläsern zusammenwachsen. Oder dass die gelöste Milch im Kaffee sich zum Tropfen ballt und uns am Frühstückstisch ins Auge springt. Es ist nur extrem unwahrscheinlich, denn unser Universum führt sich ein wenig wie ein Teenager auf: Es liebt die Unordnung. Dass der 16-Jährige Kiffer sein Zimmer aufräumt, ist zwar theoretisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Und genauso ist mit dem Universum: Alle Teilchen will es so zerstreut und chaotisch wie möglich. Die Unordnung – Thermodynamiker sagen dazu „Entropie“ – wächst und wächst und wächst. Gewissermaßen will das Universum, dass alle Gläser von allen Tischen fallen und alle Marmeladenbrote auf der falschen Seite landen. Das All pubertiert.

So versuchte ich das auch meinem Vater zu erklären, als er mich vor ewiger Zeit aufforderte, endlich meinen „Saustall“ aufzuräumen. „Es ist ein Naturgesetz!“ schrie ich – mein Vater, bodenständig, Techniker, stets interessiert an der Wahrheit – ließ sich nicht umstimmen, bis heute weiß ich nicht warum. Heute sieht manchmal unsere WG-Küche aus wie ein kleiner Bürgerkrieg. „Es ist die Entropie, wir können nichts dagegen tun.“ sage ich dann zu meinen Mitbewohnerinnen. Aber sie studieren beide Soziale Arbeit und sind für seriöse Wissenschaft meist nicht zu haben.

Ohne Entropie sähe es übrigens auch nicht besser aus, denn dann passierte erst einmal: gar nichts. Es gäbe keine kreisenden Planeten, keine atmenden Menschen, keine Liebe – auch ein etwas unordentliches Gefühl – weil es dann auch keine Zeit gäbe. Die Entropie ist wie das Putzen: ein notwendiges Übel.

Der Baum

August 27, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Es war an einem sonnigen Sommermittwoch. Ich fuhr mit dem Fahrrad in den Englischen Garten. Da sah ich ihn, gleich beim Eisbach, doch etwas versteckt: Einen umgestürzten Baum, wohl an die 30 Meter lang, samt Wurzelwerk perfekt gefällt. Der Stamm führte sanft nach oben. Ich balancierte hinauf und setzte mich an die höchste Stelle, eine Astgabelung. Aus meinem Rucksack holte ich Schokolade und mein Ferien-Lesebuch. Die Sonne senkte sich langsam und ich las. Zwei Stunden lang. Sofort wusste ich, dass dies ab sofort mein Lieblingsort in München sein würde.

Menschen gingen vorbei, schauten überrascht, als sie mich dort oben entdeckten. Ich hörte, wie englische Touristen lachten und flüsterten: „Oh, yes, he must be an artist.“ An diesem Tag trug ich meinen Sommer-Strohhut, womöglich sah ich wirklich wie ein Künstler aus. Ein hübsches Mädchen spazierte entlang und lächelte mir zu. Ich wusste, es reizte sie, ebenfalls hinauf zu klettern, doch so ganz traute sie sich nicht. Ich fühlte mich wohl.

Am nächsten Tag stand ich früh auf und arbeitete lange von zu Hause aus. Gegen Abend brach ich erneut auf, zum selben Ort wie gestern. Ein Film-Dreh blockierte mir den Weg, worüber ich mich ärgerte. Ich fuhr außen herum und ahnte bereits Schlimmes, als ich von der Ferne Absperrband sah. Vielleicht die Filmleute, dachte ich.

Doch von dem Baum war nichts mehr übrig. Nur noch ein heller Stumpf ragte aus dem Boden. Am Nachmittag hatten Stadtbedienstete den Baum zersägt, während ich vor meinem Bildschirm gesessen hatte. Ich blieb stehen und besah mir das Ausmaß der Zerstörung. Wenn die Farbe Grün einen Geruch hätte, dann genau diesen. Es roch nach Grün. Überall lagen Laub und Äste. Mir wurde schlecht.

Der Baum hatte niemandem etwas getan. Er war nicht auf den Weg gestürzt, sondern genau in die Wiese, zwischen Weg und Bach. Ich hatte geahnt, er würde nicht ewig dort sein, doch zumindest hatte ich auf das Ende dieses Sommers gehofft, wenigstens auf eine Woche. Oder zwei Abende. Falls ich je meine Traumfrau kennen lerne, dachte ich am Vorabend auf dem Heimweg, dann ist es die, die ebenfalls neugierig genug ist, um dort hinaufzuklettern.

Ein Freund schlug mir abends im Biergarten nach einer Maß vor, zur Partnersuche einfach einen anderen Baum zu fällen, im Englischen Garten gäbe es schließlich genug davon. Ich lehnte ab und bestellte ein weiteres Bier. Vielleicht ist in dieser Welt einfach kein Platz mehr für einen umgestürzten Baum.